Welche Aschewolke ?

Hallo,

so, der Rückflug ist bestätigt. Abflug am Montag. So scheint es jedenfalls.

Ich lasse mir meinen Flug immer rückbestätigen, wenn das möglich ist.
Schon oft habe ich gehört: Rückbestätigen ? Wozu ?
Hätte ich mir meinen Flug damals in Griechenland nicht rückbestätigen lassen, dann hätte ich dort fest gesessen, genau wie zwei drittel aller Reisenden, die die Rückbestätigung für überflüssig gehalten hatten. Damals ging nämlich – ich glaube „Aero FLoyd“ hießen sie – pleite.
Für uns wenige hieß das, Stunden vor dem regulären Abflugbeginn am Flughafen zu sein und mit einer Maschine nach Düsseldorf anstatt nach Berlin zu fliegen. Von dort ging es dann mit dem Sammeltaxi weiter nach Berlin. Das war ein ziemlicher Trip, aber wenigstens kamen wir an und waren nicht gestrandet.
Also lasse ich mir meinen Flug auch weiterhin immer bestätigen und lasse die mitleidigen Blicke von einigen Mitmenschen gerne über mich ergehen („Ja ja, der kleine Sicherheitsfanatiker“).
Normalerweise läuft eine Rückbestätigung ja so ab, dass man eine Nummer anruft und dann anschließend von einer Bandmaschine die Bestätigung für seinen Flug vorgelesen bekommt. Eigentlich müsste man diese Bandansage ja zur Sicherheit selbst auf Band aufnehmen zu Beweiszwecken, aber … jetzt wird es irgendwie affig.
Heute war kein Band am anderen Ende der Leitung. Heute war es eine reale Frau.

Sie fragte mich nach den Daten und sagt mir, der Fluge gehe regulär um 15.25.
Dann fragte ich nach, ob es keine Verzögerungen zu erwarten gebe, ob alles klar damit sei.
Sie fragte, was ich damit meinen würde.
Ich war etwas verwirrt und wies sie auf das Thema Aschewolke hin. Sie tat so, als würde sie sich dunkel an irgendetwas aus der tiefen Vergangenheit erinnern und wiederholte dann nochmal, dass der Flug um 15.25 regulär gehen würde.
Ich meinte nur: „Aus den Augen, aus dem Sinn, was ?“
Das verstand sie irgendwie nicht. Ich glaube nicht, dass sie mich veralbert hat. Gut – könnte sein, fühlte sich aber nicht so an.
Eigenartig, wie schnell ein Thema verschwindet. Der Fokus der modernen Medien ist so kurzlebig. Gerade noch echauffieren wir uns noch voller Inbrunst über irgendeine Sache und verteidigen mit höchster Gewalt und unter Einsatz aller Mittel unseren Standpunkt oder verbreiten panische Botschaften, was denn nun werden wird, und dann wenig später erinnern wir uns gar nicht mehr daran. Wir echauffieren uns schon längst voller Inbrunst über irgendein anderes Thema.
Unser Denken scheint irgendwie ein bisschen nach dem Prinzip Insel zu funktionieren, was mir gleich wieder sympathisch erscheint. In anderer Hinsicht stimmt das natürlich nicht, denn dann wären wir nicht gleichzeitig Gefangene unserer Vergangenheit.
Ich werde jedenfalls um 13.30 auf dem Flughafen Teneriffa Süd aufschlagen und dann der Dinge harren, die da kommen, und es könnte gut sein, dass da lange nichts kommt oder ich in einem Hotel auf Teneriffa übernachten muss.
Sei es drum. Berlin ich komme, so oder so.

Ansonsten habe ich vorgestern hier eine tolle Wanderung gemacht. Bilder gibt es keine mehr, weil ich die alle schon gemacht habe. Hoch bin ich über den Baranco Argaga nahe der Finca Argayal wie schon im Januar, dann oben in Gerián angekommen den Baranco Argaga nochmals durchquert, weiter zum Kamm zwischen Baranco Argaga und Baranco Valle Gran Rey, wo der Kirchenpfad beginnt und herunter ins Valle Gran Rey führt.
Ich bin aber weiter in Richtung Westen, Richtung Hochebene Tequergensche und zum Einstiegspunkt des berüchtigten Lechepfades. Der Einstiegspunkt wird durch zwei riesige Steinmännchen markiert, die Unheil verkündend wie ein Tor im Nirgendwo einen unscheinbaren Pfad markieren.
Diesen Lechepfad bin ich erst einmal zuvor herunter gelaufen und es ist ein wirklich abenteuerlicher Weg hinunter ins Valle Gran Rey mit wunderschönen Ausblicken, aber teilweise ohne Weg über abschüssige Geröllfelder am Abgrund und mit ein bisschen Klettern. Ein wirklich toller Weg. Ich habe ihn wieder sehr genossen.
Heute Abend werde ich mit Maike ins „El Baifo“ gehen, wo wir beide noch nicht gewesen sind. Sie wollte einen Tisch bestellen, auch , wenn das im Augenblick nicht nötig sein dürfte.
Maike hat ihren Entschluss gefasst: sie geht zurück nach Kiel und zwar in zwei Monaten. Miguel – ihr Freund hier – hat vermutlich noch keinen richtigen Trick gefunden, sie zum Bleiben zu überreden. Vielleicht hat er es auch gar nicht versucht.
Ich finde das irgendwie schade, aber andererseits steht für mich Gomera eigenartigerweise auch für Veränderung.
So viele Menschen sind schon gekommen und auch wieder gegangen. So viele Ideen sind gescheitert oder haben auch mal funktioniert, aber vielleicht später nicht mehr. So ist das eben hier. Viele suchen das Paradies und finden nur einen weiteren Alltag, noch dazu einen sehr anstrengenden ohne soziale Absicherung.
Dann gibt es hier wenig kulturelles, kein Kino außer am Dienstag im Mariposa, kein Theater, keine Buchhandlung, aber gebrauchte Bücher kann man hier und da kaufen, keine Diskothek mehr.
Vielleicht werde ich auch noch meinen Versuch starten, hier zu wohnen, aber dann vielleicht erst mit 60, wenn ich nur noch Gemüse im Kopf habe. Dann gehe ich jeden Sonntag auf den Markt mit meinem kleinen Stand und verkaufe es, um meine kleine Rente aufzubessern und mich so durchzuschlagen.
Das mache ich dann, bis ich 80 bin und auseinander falle. Dann is gut.

Also bis bald

Wolfgang vonner Insel


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