Und nu ? La Gomera mal wieder

Tja, jetzt sitze ich schon wieder im Internetcafe in Valle Gran Rey auf La Gomera.
Was soll ich sagen. Nach 5 Tagen Gran Canaria hat es mich wieder hierher gezogen. Zum x-ten Mal.
Eigentlich wollte ich rueber nach El Hierro und dort die Einsamkeit geniessen, aber jetzt bin ich hier.
Es ist warm, es ist wie immer und es gab Pasta im „Para Me“. Sie haben mir zwar ans Herz gelegt, dass sie auch andere vegetarische Gerichte auf der Karte haben, aber sie haben sie mir serviert. Alleine diese Pasta ist schon die Reise hierher wert.

Auf Gran Canaria war ich im Hafenort Puerto de las Nieves. Dieser Ort ist urspruenglich ein Fischerort gewesen; und nun legt dort die grosse Faehre aus Teneriffa an. Der Ort ist immer noch eher ruhig, klein, sogar irgendwie authentisch, aber eine Sache ist mir aufgefallen: es gibt diverse Restaurants, die alle gleich aussehen und alle die gleiche Speisekarte haben und ich fragte mich: was soll das ? Aber dann kamen zu Mittag die Pauschaltouristen. Und sie stroemten in die Restaurants und assen alle das gleiche. Dann war es mir klar. Der Massentourismus ist zwar weit weg in Maspalomas im Sueden, aber es gibt Reisebusse, und sie wissen damit umzugehen.
Und so wird aus einem recht authentischen kleinen Ort ein Ort der Heuschrecken und so ist man hier eben auch eingerichtet.
Und auch ansonsten: die Insel ist zwar auch schoen, aber man muss schon ein bisschen suchen und ein bisschen fahren. Beim naechsten Mal wuesste ich, wo ich hingehen wuerde, um zu wohnen. Nach San Mateo; da kann man alle schoenen Touren gut erreichen, ohne sich ein Bein auszurenken. An der Kueste zu wohnen ist eher unappetitlich. Die Kueste scheint mir total zersiedelt zu sein, aber dennoch: Gran Canaria ist nicht zu verachten. Ich habe drei schoene Wanderungen gemacht und es warten noch viele, viele mehr.
Einmal bin ich nach San Mateo gefahren, um auf den hoechsten Berg zu wandern, den die Insel zu bieten hat, den Montaña de las Nieves, aber dann kam es ein bisschen anders:
Unterwegs auf diesem schoenen, schoenen Weg kam ich durch ein kleines, malerisches Dorf, dessen Namen ich jetzt vergessen habe, da traf ich auf einen kleinen Hund.
Der Hund war suess.
Da habe ich ihn gestreichelt.
Der Hund war eine Huendin, und irgendwie hat sie sich wohl in mich verliebt.
Jedenfalls kam sie anschliessend mit mir mit und liess sich durch nichts, durch *nichts* dazu ueberreden, wieder umzukehren.
Irgendwann gab ich auf
Dann war es mir klar: Ich hatte einen Hund.
Also gingen wir los.
Und wir hatten eine schoene Wanderung. Sie immer an meiner Seite, emsig dabei.
Doch nach so etwa zwei weiteren Stunden bekam ich ein bisschen Angst. Mir war schon klar, dass ich den gleichen Weg zurueck musste, um den Hund zuhause abzuliefern (und dann wie der Wind wegzulaufen).
Der Hund hatte immerhin ein Halsband; es gab also jemanden, dem der Hund gehoerte, und ich war jetzt irgendwie verantwortlich. Ich dachte, was waere, wenn der Hund jetzt muede wurde und nicht mehr laufen koennte. Dann muesste ich ihn tragen.
Irgendwann gab ich auf. Es war wirklich eine schoene Wanderung, eine schoene Gegend, viel zu sehen, wenn auch alles nicht verlief, wie geplant.
Ich schaute den Hund an, der schon muede wirkte, kicherte in mich hinein und kehrte um.
Wahrscheinlich war das eine komplette Fehleinschaetzung und dieser Hund, der hier lebt, koennte noch laufen und springen und ausgiebig pinkeln, wenn ich nur schon auf Stuempfen laufen wuerde, aber ich konnte es einfach nicht einschaetzen. Also drehte ich um.
Nach weiteren zwei Stunden kamen wir dann in seinem Heimatdorf an und ich fing an, mir Strategien der „Entwoehnung“ zu ueberlegen und lief mit meinem Hund weiter und weiter.
Was sollte ich tun ? Anschreien hatte ich schon probiert.
Sollte ich anfangen, an die Baeume zu bepinkeln und einen Revierstreit anfangen ?
Sollte ich einer anderen Huendin nachlaufen ?
Ich wusste es nicht.
Als wir an ein bestimmtes Haus kam, rannte mein Hund ploetzlich los, als haette sie sich gerade an etwas anerinnert, etwas, was sie schon fast vergessen hatte. Und weg war sie. Ohne Umdrehen.
Das war ja wie bei Miriam, dachte ich.
Naja, ganz egal, wir hatten eine schoene zeit, und nun ist es eben vorbei, also lief ich weiter den Weg nach San Mateo und nahm den Bus nach Las Palmas und von da aus weiter nach Agaete, den Ort in dem ich eigentlich urspruenglich wohnen wollte, aber kein freies zimmer fand, sodass ich nach Puerto de las Nieves ausweichen musste, was ich aber nie bereut habe, weil es in Agaete gar keine Restaurants gibt, aber in Puerto de las Nieves schon, wenn auch die Restaurants eben der erwaehnten Monokultur unterliegen, was mir aber an diesem Tag egal war.
Wie ?
Ach so, ja, dann gab es Essen. Auf jeden Fall war es ewas mit Fisch. Vielleicht Gericht Nummer 2.
Danach jagte ich einen Hund und streichelte ihn gegen seinen Willen.
Tja und dann ging heute frueh die Faehre und es ist mal wieder wie immer:
Gran Canaria ist kein Zuhause.
La Palma ist kein Zuhause.
La Gomera koennte irgendwie ein Zuhause sein.
Morgen werde ich arbeiten, aber wohl auch auf den Markt gehen und im Cafe Ole fruehstuecken. Das laesst sich nicht verhindern.
Also, bis denne

Wolfgang

P.S: Es kommen morgen noch viele Fotos. Echt.


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