Die Schlucht des Tooooodes „Baranco Argaga“

Gestern habe ich natürlich den Bus verpasst. Ist nicht immer ganz einfach um 8.00 Uhr an der Haltestelle zu sein.

Also bin ich wenig später (um 10.30) losgegangen und dachte mir, es ist eine gute Idee den Weg über die Schlucht Argaga nach Chipude zu laufen. (Hier ist die Finca Argayal (Haus des Lichts) zusehen, die in der Bucht von Argaga liegt)

Der Weg gilt hier als gefährlichster auf der Insel und jedes Jahr stürzt irgendwer ab und muss mit dem Hubschrauber rausgeholt werden. Ich bin den Weg schon einmal vor zwei Jahren oder so hoch und hatte wirklich ziemliche Angst. Es ist eine wunderschöne Schlucht und wild und einsam, aber der Weg ist sehr steil. Man muss oft klettern.

(Hier geht der Weg los)

Dieses mal muss ich sagen, kam mir der Weg gar nicht mehr schlimm vor. Anstrengend, ja, aber ich hatte überhaupt keine Höhenangst mehr. Die ist irgendwie fast verschwunden. Es ist schon eigenartig, wie man sich an alles gewöhnen kann.

(Ein neugieriges Schaf ohne große Angst)

Nach dem Kletterteil, der über etwa 500 Höhenmeter geht, kommt ein relativ normaler Weg, der weitere vielleicht 300 Höhenmeter zurücklegt. Auf diesem Weg traf ich einen Typen, der mir entgegen kam. Er wollte den Weg runter laufen.
Ich hielt das für keine gute Idee und haderte eine Weile mit mir, ob ich ihm das sagen sollte oder nicht.
Das letzte Mal, als ich dort jemand traf und nur andeutete, dass der Weg sehr steil sei und nicht geeignet zum runter laufen, traf ich die Leute anschließend unten im Tal und sie waren sauer auf mich, dass ich ihnen nicht klar gesagt hatte, dass der Weg eine Kletterpartie ist. Ich dachte, das wäre klar.
Also rief ich dem Mann diesmal zu, ob er den Weg kennen würde und so weiter, und dass es keine gute Idee wäre, den Weg herunter zu laufen. Er winkte gelangweilt zurück und gab mir zu verstehen, dass ich ein Weichei wäre.
Naja, wie man es auch macht, ist immer falsch.

(oben angekommen auf der „Ebene“)

Hochebene bei Tion

Vielleicht treffen wir uns auch im Tal wieder – wenn ich hier am örtlichen Krankenhaus vorbeilaufen sollte.
Ich habe hier sowieso bei einigen Leuten das Gefühl, dass sie vielleicht demnächst den Berg hinunterkullern – mit ihren Walkingstöcken im Bauch. Die Benutzung von Walkingstöcken hat mittlerweile hier epidemische Ausmaße erreicht. Für mich sieht das irgendwie bescheuert aus. Und überall sieht man diese Löcher auf dem Weg. Egal.

Ich bin dann jedenfalls stocklos oben angekommen über die „Ebene“ (was man hier unter einer Ebene versteht) noch weitere 200 Meter an Höhe weiter nach Chipude gelaufen. Dort wollte ich den Tafelberg „La Fortaleza“ besteigen, jedoch schlichen sich urplötzlich riesige Wolkenformationen vor die Sonne, sodass man gerade noch 50 Meter schauen konnte. Das ist nicht gerade viel, wenn, man vor hat, die schöne Aussicht von einem Berg aus zu genießen.

(Der Tafelberg „La Fortaleza“)

Aber genauso schnell, wie sich der Himmel zu zieht, kann er sich auch wieder öffnen, also wartete ich einfach eine halbe Stunde in Chipude vor dem dortigen Hotel Sonia.

(Mein Lieblingshaus auf dem Weg nach El Pavon, wo der Weg zum Aufstieg der Fortaleza ist)

Lieblingshaus

Der Himmel blieb dunkel und ich gab auf, lief weiter nach Cercado, einem wunderschönen Nachbarort, und von da aus weiter nach Las Hayas.

Währenddessen war der Himmel wieder offen.
Mist.

Naja, in Las Hajas versuchte ich dann einen Weg zu finden, der herunter ins Tal nach Valle Gran Rey führen soll und den ich nicht kannte. Ich fand ihn mal wieder nicht. Nichts passte mit der Karte zusammen, alles war anders und ich fand einfach den Einstieg nicht.

Also ging ich an einem Wasserrohr entlang bis nach Arure weiter. Ein weiterer Ort auf vielleicht 900 Meter Höhe.

Ein Stausee, dahinter geht es tief hinunter ins Tal Valle Gran Rey)

Es wurde langsam dunkel und kühl. Ich wartete auf den Bus und fuhr runter ins Tal, aber stieg ein bisschen vorher aus.

In dem oberhalb von Calera gelegenen Ort EL Guro. Dort soll es ganz brandneu einen Puff geben. Der Ort ist ein ruhiges Künstlerdorf mit der Kapelle „De los Reies“. Am 6.1. haben sie dort noch eine Jungfrau oder was hingetragen. Alles sehr religiös und so weiter. Und jetzt: einen Puff ? Das wollte ich mir ansehen, aber es war überhaupt nichts zu sehen. Naja, eigentlich auch klar. So offen wird das nicht ablaufen.

Abends dann ging ich noch in die Jazzbar. Im Augenblick, finde ich, ist das hier der beste Laden. Manchmal gibt es auch Lifemusik. Gestern allerdings nicht. Dafür traf ich Rico, der ganz aufgeregt war und meinte: „Der Alex ist da !“
Der Alex.
Ein Eremit der irgendwo oben in den Bergen haust und dort Gemüse anbauen soll und anderes. Rico erzählte mir, er würde dort mit natürlichen Techniken experimentieren, um Wasser aus der Luft zu gewinnen und bestimmte Arten von Pflanzen suchen, die hier gegen die Schädlinge resistent sind. Er hätte mal Agrarwissenschaft studiert.
Er war dann auch da. An der Kirche am Strand, wo sich alle treffen. Dort sass er. Langes zotteliges Haar und langer Bart. Er sah aus, wie der Typ am Ende der Monty Python Flying Circus-Folgen. Und er war auch sehr wild, wurde schnell beleidigend und wollte mir nur wenig Fragen beantworten.
Eins hat er mir jedoch geraten:
Ich könne dort oben ein Loch graben und reinscheissen, dann noch ein bisschen Gras drüber und noch dies und das. Dann zuschütten.
Und in einem Dreiviertel-Jahr könne ich dort eine Super-Tomatenplfanze wachsen lassen, die alle paar Tage eine Tomate abwirft.
Tja, danke Dir, Alex. Das mache ich.
Dann demonstrierte er mir noch ein paar von seinen Klaus-Kinski-artigen Wortausbrüchen. Er war ein Fan von Kinski. Der hätte verstanden.
Tja, ich hatte auch verstanden. Der Typ sitzt nicht zufällig tagaus, tagein alleine in den Bergen.
Was mir darüber hinaus in letzter Zeit auffällt, ist, das mich mehr und mehr Leute davon überzeugen wollen, dass die Welt demnächst untergehen wird, oder zumindest die Menschheit.
Und wenn ich dann sage, dass niemand in die Zukunft sehen kann und niemand wirklich weiß, was passieren wird, auch, wenn es vielleicht tatsächlich sein kann, dass die Menschheit ihrem Ende nähert, dann werden diese Leute sauer und geben einem zu verstehen, dass man blind sei und dumm.
Tja, auch das wäre möglich, aber mir sind wiederum diese Leute egal.
Vielleicht scheisse ich doch noch in dieses Loch, das kommt mir jedenfalls sinnvoller vor als am laufenden Band Leuten mit Cassandrakomplex zuzuhören.

Morgen werde ich nach Hermigua fahren und dort herum wandern. In der Casa Creativa gibt es den größten Tapas-Teller mit Tunfisch und Kartoffeln, den ich je gesehen habe. Das wird super.
Danach suche ich mir das Loch aus.

Gruß

Wolfgang


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