Oh, schon drei Tage keine Belanglosigkeiten mehr !

Hallo zusammen,

nah, dann wird es ja wohl hoechste Zeit fuer weitere sinnlose Fakten.

Am Dienstag habe ich nur gearbeitet. Als ich abends soweit war, dass ich meine Sachen nach Berlin schicken konnte, ging ich mit meinem Notebook runter ins Internet-Cafe.
Dort machte ich ihn an und wartete und wartete und wartete ….
Er startete nicht mehr.
Und mit jedem Versuch wurde es schlimmer.
Was soll ich sagen: er hat mit mir Schluss gemacht !
Dabei hatten wir eine so wundervolle Beziehung. Ich dachte, alles waere OK.
Was wir alles zusammen durchgemacht haben. Die gemeinsamen Erinnerungen.
Ich denke nur an Dresden. Wie er es gehasst hat. Na und ich auch.
Zusammen haben wir dann ja den Verein zur Widerherstellung des historischen Dresdens von 1946 ins Leben gerufen. Das einzige Dresden, was ich annaeherungsweise ertragen kann.
Vielleicht kriegt man die Amis ja nochmal an den Start. Irgendwer muss ihnen nur sagen, das da der Iran liegt. Geografie war ja noch nie ihre Staerke.
Nah, und immer im Zug habe ich Seinfeld geschaut.
Ich weiss noch, wie ich da immer sass mit meinem Notebook aufm Schoss und lachte.
Sogar als es bruetend heiss war, im Sommer, und die Klimaanlage mal wieder ausgefallen war. Natuerlich konnte man in dem Zug auch kein Fenster aufmachen – wozu, hat ja ne Klimaanlage !
Und einmal sass ich da mit 5 anderen Pendlern in einem Abteil – *jeder* einen Notebook aufm Schoss.
Das ist dann wohl das moderne Leben.
Wahrscheinlich waren alle kraeftig am kommunizieren; aber zwischen uns herrschte Ruhe. Nur ich lachte; ueber Seinfeld und Kraemer usw.
Tja, und jetzt hat er mich verlassen.
Genau 3 Monate, nachdem die Garantie abgelaufen ist.
Sau.

Ich bin dann weinend mit ihm zusammen wieder hoch zu meinem Apartamento gelaufen und habe da dann noch bis 2 Uhr morgens gesessen und an ihm herumgeschraubt und gebaggert.
Irgendwie lief er dann auch wieder ein bisschen.

Am Mittwoch habe ich kurzerhand den Bus um 8 Uhr genommen und bin in den Lorbeerwald gefahren. Da oben war es *richtig* kalt und natuerlich feucht.
Aber man kann wunderbar von dort oben z.B. nach Vallehermoso hoch oben im Norden laufen und das habe ich dann auch getan.
Auf dem Weg dahin wurde es schnell waermer und ertraeglicher bis schliesslich auch noch die Sonne rauskam und als ich dann in Vallehermoso war, war es richtig sommerlich. Oben im Norden ist das wirklich ein Gluecksfall. Und es blieb auch fuer mehrere Stunden so, die ich mich auch dort aufhielt, weil es ein ganz toller Ort ist, den ich immer versuche zu besuchen, wenn ich auf der Insel bin.
Zuerst habe ich einmal gefruestueckt.
Anschliessend bin ich runter zur Playa von Vallehermoso gelaufen. Ein magischer Ort an dem das Castillo de Mar erbaut wurde auf den Ruinen einer alten Bananenverladestation. Ich liebe die ganze Bucht, die Einsamkeit dort, das blaue Meer, die Weite, das laendliche, einfach alles.
Das Castillo ist ein Veranstaltungsort fuer alles moegliche, Modenschauen, Gauklerfeste, was weiss ich, ja Parties usw.
Sylvester war dort z.B. eine. Deswegen war ich ueber Sylvster nicht dort.
Durchgeknallte jugentliche Partyspinner kann ich in Berlin jeden Tag sehen.
Aber jetzt war das Castillo geschlossen und es schien in keinem guten Zustand zu sein.
Der Schlossbesitzer – Thomas Mueller, der „el Fotografo“ der Insel, ein Deutscher, der hier schon lange lebt und viele Projekte macht – soll grosse Schwierigkeiten mit dem Schloss haben. Es geht wohl einerseits um Geld und andererseits um Behoerdenwillkuer. Wer naeheres wissen will, der sollte an anderer Stelle lesen – zum Beispiel im Valleboten. Ich weiss es nur so als Geruecht.
Ich liebe den Ort jedenfalls.
Nach einer Weile bin ich dann weiter ueber den oestlichen Berghang – einen unvergaesslichen Weg hinauf mit staendigem Blick ueber die Bucht. Der Weg war herrlich ausgesetzt und teilweise verschuettet – aber, wie man so sagt – der Deutsche ansich kraxelt gerne. Und irgendwann fuehrte der „Weg“ dann ueber den Bergkamm und auf der anderen Seite in einen noch einsameren Baranco, wo ein kleines Dorf lag. Als ich dort ankam, traf ich zwei Spanier, die ich nach dem Weg fragte. Die zeigten mir auch den Weg – zurueck nach Vallehermoso, dann luden sie mich zum Wein ein.
Als ich irgendwann wieder in Vallehermoso war, war es schon 15.30 Uhr und der Bus nach San Sebastian – die Hauptstadt ging um 16.30 Uhr.
Das war ein schoener Tag. Eine schoene Wanderung. Und alles mit Sonne. Erst am Schluss zog es sich wieder zu.
In San Sebastian angekommen nahm ich die Faehre zurueck ins Valle und war wieder zuhause.
Der Notebook schaute mich an und ich schaute zurueck.
Ich bootete ihn und er lief !
Ich probierte alles aus. Alles lief.
Dann schaltete ich ihn happy wieder aus und ging essen.
Ich ging ins Bodegon unten an der Playa und als ich da sass kam der Kellner und fragte mich: „Aleman o Inglese ?“
Ich sagte, ich waere Deutscher.
Daraufhin fragte er mich auf deutsch, was ich denn „fressen“ will.
Das war mal was originelles.
Ich ueberlegte kurz, dachte dann aber, woanders kriege ich nichts mehr, es war schon zu spaet.
Also blieb ich und ass den fiesesten Frass hier im Tal.
Das war *richtig* schlecht. Wie Schuhsohle aber ohne Geschmack. Jetzt verstand ich, was der Kellner meinte. Das war gar kein Witz. Das war sein voller Ernst. Wahrscheinlich kam das Essen dort ausm Trog.
Das sind die ersten Vorlaeufer des Massentourismus und der Essensabfertigung am Pauschaltrog.

Heute machte ich den Notebook an und er wollte wieder nicht.
Und er wollte nicht und wollte nicht …
Jetzt hat er mich ganz verlassen.
Er startet noch nicht einmal mehr.
Also kann ich jetzt nur noch auf Papier arbeiten.
Aber das ist halb so schlimm.
Ich hatte schon viel geschafft und fuer den Rest ist noch genug Zeit in Berlin.
Ich hoffe nur, dass die Reparatur vom Notebook nicht so teuer ist.

Also habe ich heute wirklich laaange gefruehstueckt und dabei auf Papier gearbeitet.
Dann habe ich die Sonne genossen.
Heute ist es richtig warm. Ein Sommertag.

Gleich schaue ich mir den obligatorischen Sonnenuntergang an der Playa an.
Einmal muss man das, wenn man hier ist, sonst passiert bestimmt etwas ganz furchtbares.

Viele Gruesse an Euch

Wolfgang


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