Der Geburtstag verläuft nach Plan

Ja hallo,

also nur mal kurz. Alles verläuft nach Plan. Ich bin schon ein bisschen betrunken und es ist erst gerade mal 9.00 Uhr. Hier. In Deutschland ist es erst 8.00 Uhr. Ja, muss ja nich alles schief gehen.
Heute traf ich noch den Alex.
Einer der letzten Hippies hier. Alex ist kein Idiot. Alex ist Visionär. Das meine ich jetzt mal zur Abwechslung nicht sarkastisch. Ich meine den Alex, der mir riet, hier ein Loch zu graben und rein zu scheissen, um dort eine Tomatenpflanze wachsen zu lassen.
Für ihn ist das Valle „durch“. Leider muss ich ihm da Recht geben. Das ganze Anarchistische und die Freaks – alles unterbunden. Kein Getrommel mehr von Bekifften. Nein. Jetzt trommeln die Spanier selbt.
GEstern gab es eine Delegation von Trommelzombies, die aus dem Kulturhaus hier vor Ort ausgebrochen sind und direkt an der Playa hier offensichtlich das Loch der fehlenden Hippies ausfüllen wolllten. Leider konnten sie sich nicht auf eine Taktart einigen. Es schwankte irgendwie zwischen 3/4 und 4/4-Takt. Noch dazu veränderte sich das tempo ständig. ALso, da waren die Hippies doch besser. Ich vermisse sie. Wirklich. Die Hippies haben Gomera für mich zu einem Teil ausgemacht.
Freiheit.
Auch die Freiheit, inkonsequent oder meinetwegen auch faul zu sein. Ich hoffe, das klingt nicht zu negativ. Denn so ist es nicht gemeint. Eher liebevoll.
Freiheit.
Berlin wird immer enger. An jeder Ecke steht ein mittehipper Grinsepeter mit seiner 80er Jahre Brille auf der Fresse. Also dieselbe wuerde ich ihm gerne einschlagen. UNd zwar aus dem gleichen Grund, warum ich Soldaten nicht mag. Berlins Hippe sind uniformiert. Und zwar extrem. Trägst Du die falsche Brille, hast Du kein Iphone ? Dann bist Du kein Teil davon.
Wovon ?
Von nichts. Es gibt keine Inhalte mehr. Nur Verpackung. Das ist alles, was zählt.
Ja, die Frauen sind alle hübsch. Aber ich kann sie nciht auseinander halten. Sie sehen alle gleich aus. Siehst Du eine, kennst Du alle. Alle reden das gleiche.
Ich bin so froh, jetzt wenigstens ein kleines Stück weiter weg von der unerträglichen Leere zu wohnen. Vielleicht reicht das für ein paar Jahre. Allerdings haben Anachronismen wie ich und viele meiner Freunde nichts verloren in dieser Scheinwelt der Grinsepeter.
Allerdings weiß ich, ich bin nicht der einzige, der so denkt. In meinem Kiez sind viele „angepisst“ von den „neuen Nachbarn“, die ohne Pause in die Stadt strömen. Ich denke nur, letztenendes gibt es keine Lösung für uns. Wir haben schon jetzt verloren. Schon vor fünf Jahren. Da fing es etwa an. Wir werden weichen und das war es. Irgendwo werden wir wohnen können, irgendwo, wo die Mieten noch bezahlbar sind, wo die mittehippen Multihomer nicht einreiten wollen mit ihren Taschen voller Geld und ihrem „It’s amaizing“-Habitus. Aber letztenendes werden wir uns nur weitere Gnadenzeit verschaffen. Denn die Mittehippen sind Kulturfolger wie Ratten oder Kakerlaken. Sie selbst können ohne einen „Wirt“ ihre Lebensweise nicht aufrecht erhalten. Das heisst, sie werden immer dem Wirklichen nachreisen, es aufnehmen in sich, ohne es zu verstehen. Es konsumieren wie ein Iphone, allerdings ohne das Wissen, dass ihr Konsum die Zerstörung der angestebten Lebenssituation zur Folge hat. Dies ist in jeder der großen Städte zu besichtigen. New York, London, Paris, …
Das ist es, was Immobilienpreise steigen lässt. Lebensgefühl. Immobilienhaie verkaufen das, was andere erschaffen haben. Echtheit. Für mich die niederste Form des Lebens, aber das spielt keine Rolle. Es ist wie es ist. Und es gibt keine Lösung.
Hier auf La Gomera geschieht das gleiche. Es werden Interessen warhr genommen. Es geht um Geld.
Jedoch hier besteht noch die Hoffnung vieler „kleiner Leute“, etwas vom Tourismuskuchen ab zu bekommen, jedoch habe ich die Befürchtung, dass die großen Reiseveranstalter in der Lage sind, die komplette „Wertschöpfungskette“ bezüglich ihrer Kunden ausnutzen zu können; also bleibt da nichts für die kleinen Apartamento-Vermieter von La Calera oder den Supermercado von Vueltas. Das gibt es alles im Hotelkomplex.
Deshalb gibt es hier und wird es auch in Zukunft keine Probleme geben, wenn man einfach auf die Insel kommt. Die Preise sind seit Jahren stabil oder sogar fallend.
Der Massentorismus ist vor den Toren. Die Kreativität und Lebenslust und das Gefühl der Freiheit sind es nicht mehr.
Ich glaube, es wird Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen.
Viele haben das erkannt.
Ich bin langsam.

Liebe Grüße

Wolfgang


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