April auf La Gomera

Hallo,

es ist ein etwas merkwürdiger April hier. Es ist regnerisch und viele meckern über die Kälte.
Naja, kalt ist es nicht gerade, aber für die Jahreszeit eben. Mir reicht es. Ich friere nicht mehr.
In Deutschland war ich drauf und dran, mich mit Benzin zu übergießen und anzuzünden, nur, um nicht mehr frieren zu müssen, aber erst fand ich kein Feuerzeug und dann gab es dieses günstige Angebot von Afganistan-Airlines, was ich dann wahr genommen habe.
Noch vom Flughafen in Berlin rief ich Flor an. Flor vermietet mir immer eins ihrer wunderschönen Appartments in der Casa Florida. Sie sagte, sie sei auf Teneriffa für ein paar Tage, lässt aber den Schlüssel zu einem Appartment in der Tür.
Das ist so schön. Das ist wie zuhause sein.

Im Bus quer über die Insel saß ich eineinhalb Stunden allein. Das habe ich noch nie erlebt. Irgendwann „unterhielt“ ich mich mit dem Busfahrer, der sich langweilte. Er gab mir dann eine weitere Unterrichtsstunde zum Thema „ser“ und „estar“. Ich mache immer noch Fehler bei den beiden „sein“ in Spanisch, aber das fällt bei den vielen anderen Fehlern eigentlich nicht ins Gewicht. Ich bin zufrieden, wenn ich ein paar Worte mit jemandem wechseln kann und sogar den Sinn der Unterhaltung verstehe.
Hier in Valle Gran Rey ist es ein bisschen wie ausgestorben. Fast wie in Vallehermoso.
Jedenfalls scheint es einem so.

Wenn man dann die einschlägigen Cafes und Restaurants aufsucht, kann man doch einige Touristen finden. Die guten Restaurants sind besucht, aber selbst im „El Baifo“ kriegt man einen Tisch, ohne Vorbestellung.
Das Appartment ist wunderschön. Es ist eins der wenigen, in denen ich zuvor noch nie gewohnt habe. Ein bisschen größer und mit Aussicht auf die Bucht und auf die alte verfallene Schule. Wirklich schön.
Ich fühle mich dort wohl. Flor kommt am Samstag wieder, mal sehen, was sie überhaupt dafür haben will. Ich vermute, sie ist auf Teneriffa wegen ihrer kranken Tante, die dort in einer Klinik ist.

Gestern abend traf ich dann noch Rico. Wir gingen zusammen in die Jazzbar. Es war schlimm. Er hatte original die gleichen Sprüche drauf wie vor drei Monaten. Allerdings konnte man mit ihm im Januar doch noch ein oder zwei vernünftige Worte wechseln. Das scheint jetzt vorbei zu sein. Es macht mich irgenwie traurig. Nach einer halben Stunden Beballerung von seiner Seite musste ich mich dann abgrenzen. Ich riet ihm auch ab, nach Berlin zu kommen, weil er dort nach drei Tagen spätestens in einer Klinik sein würde, in der Geschlossenen.
Er meinte, was denn besser wäre, doch für mich ist das klar. Klinik ist nicht besser.
Es macht mich traurig, aber da ist wohl nichts mehr zu machen.

Das war es dann mal fürs erste.

Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit

Wolfgang


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