So war mein Silvester

Hallo,

leider habe ich meine Kamera vergessen, da kann ich auch keine Fotos posten.

Silvester ist ja schon ein paar Tage her, aber seitdem ist nicht viel pasiert. Gestern bin ich ins Valle gefahren, weil es mir einfach zu kalt wurde. Heute bereue ich es schon wieder fast. Das Valle ist irgendwie mitlerweile eine psychische Senke für mich. Wenn ich hier nichts mache, sacke ich sofort ab. Mein Kreislauf fährt runter und ich könnte mich sabbernd in eine Ecke legen. Aktivität fällt mir hier schwerer als in Vallehermoso. Da muss man einfach mal loslaufen, um warm zu werden.

Und hier ist es auch nicht gerade warm. Aber schon wärmer als in Vallehermoso.

Egal. Ich werde Pläne machen.

Also mein Silvester: Ich bin Wandern gegangen. Zuerst runter zur Playa de Vallermoso. Da braucht man eine Stunde hin. Vallehermoso liegt nicht direkt am Wasser. Und da unten war dann keine Menschenseele. Das Castillo del Mar ist verwaist wie schon lange, der Aquapark ebenso. Dort habe ich eine Weile gesessen und bin dann anschließend den Pfad hoch in den Nachbarbaranco. Nach Tamargada.

Dieser Pfad war jahrelang gesperrt und kaum noch zu erkennen. Er geht steil und ausgesetzt am Berg hoch, aber eben nur ein paar hundert Meter, bis er den Kamm erreicht und dann rüber zieht. Das war mal ein richtiges Abenteuer. Ziemlich gefährlich. Adrenalin und so.

Und jetzt ?

Jetzt gibt es zwar einen komplett ausgebauten Wanderweg mit Geländer und so, aber der Weg ist schon wieder gesperrt. Erst wunderte ich mich, warum, aber als ich dann oben am Kamm war, da war es mir klar. Wieder Erdrutsche. Die haben das schöne Geländer an einigen Stellen weggesprengt wie Zahnstocher. Und der Weg ist natürlich auch verschüttet dort. Da wurde es dann doch nochmal spannend.

Von dort bin ich weiter an die Playa de da Sepultura. Ein weiterer einsamer Strand, schwer zugänglich. Wunderschön und einsam. Leider gibt es dort viel angeschwemmten Müll. Lauter Zviilisationsscheiße, die wir einfach so ins Meer kippen. Plastik.

An diesem Strand, der ein echter Sandstrand ist, habe ich eine Stunde gesessen und raus aufs Meer geschaut. Das war schon Silvester für mich. Besser geht es nicht.

Und dann bin ich wieder aufgebrochen, habe mich den Hang hochgezerrt, wo schon kein Weg mehr auszumachen ist, bis es wieder einen gibt, dann weiter auf einer Piste.

Dort kam dann aus dem Nichts ein Hund auf mich zu, den ich dummerweise streichelte, ein kleiner süsser, verzottelter Hund.

Tja, und dann hatte ich wieder einen Hund. Ich nahm ihn mit ins Dorf oben im Tal, d.h., er kam eben mit, und dann redete ich streng mit ihm.

Er wollte spielen.

Ich redete strenger.

Er wollte spielen.

Dann schrie ich ihn an.

Er rannte und freute sich.

Ich schrie ihn lauter an.

Er rannte und freute sich.

Dann trat ich in seine Richtung. Und hoffte, ihn endlich los zu sein. Er musste dort doch irgendwo zuhause sein und wäre er weiter mitgekommen, dann hätte er vielleicht nicht mehr zurück gefunden. Dann atmete ich auf.

Eine halbe Stunde später im Obertal war er wieder da.

Das Biest.

Dann nahm ich jedoch eine Route über die Straße des Dorfes. Und dort waren mehrere andere Hunde, die gleich anschlugen und auf die Straße liefen.

Halleluja, er traute sich nicht weiter und konnte endlich nach Hause gehen. Und ich konnte meine Wanderung fortsetzen.

Ich streichele keine fremden Hunde mehr. Nie wieder!

Na und dann bin ich weiter nach Agulo gewandert. Es war kalt, bewölkt und windig. Manchmal regnete es ein bisschen. Aber als ich in Agulo ankam, war ich glücklich und fertig. Diese schöne Mischung. Ich ging zur Bushaltestelle und dachte: Perfekt, der Bus kommt gleich.

Nur der Bus kam nicht. Es fuhr keiner. Die Geschäfte waren zu. Es gab keine Taxis.

Mmmh. Dachte ich. Was jetzt.

Also bin ich losgelaufen. 15 km nach Vallehermoso. Das muss doch zu schaffen sein. Bin ja auch hin gekommen. Aber es war schon 17.00 Uhr. Um Sieben ist es dunkel. Also beeilte ich mich. Scheiße. Ich war doch schon fertig.

Aber nach anderthalb Stunden kam ein Taxi vorbei und ich war erlöst, kam totmüde in Vallehermoso an, ass einen riesigen Berg Tunfisch mit Kartoffeln in meinem Zimmer und fiel ins Bett. Silvester habe ich komplett verschlafen.

Das war doch ganz OK.

Gruß

Gomerahippie


Posted in La Gomera by with 2 comments.

Comments

  • Karin sagt:

    Hallo Wolfgang!Das war ja eine große Wanderung mit Gefahren durchsetzt,da duchschauert’s mich. Ein Erlebnis von der einsamen, besonderen Art. Auch so individuell kann man Sylvester erleben, mit einem kleinen anhänglichen Hund als Gesellschaft, ihn wegzuscheuchen, war in diesem Fall sehr tierfreundlich. Schade, dass du den Fotoapparat vergessen hast.Nina Hagenläßt grüßen:“Ich hab den Farbfilm vergessen…!“ so muss Deine Fangemeinde auf Fotos verzichten, aber dafür viel Text und so schön scheint das Wetter ja diesmal nicht zu sein, hätte Dir gerne Wärme gewünscht.Vielen Dank, für diesen spannenden ,lebendigen Blog.

  • Karin sagt:

    Hi, woher kommen die schönen Foto? mit Handy oder Smartphone? Insel pur, Genuss pur!Da kein weiterer Text, vermute ich, Du bist schon wieder retour oder auf dem Absprung, wenn ja, guten Flug. Übrigens Kompliment für das übersichtliche Outfit Deines blogs, greatings Karin

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